Einleitung

Modernisieren mit Weitblick
Energieeffizient und generationengerecht umbauen

Landauf, landab werden die Häuser eingepackt. Das ist notwendig. Aber geschieht das immer mit der nötigen Sorgfalt und Rücksichtnahme auf die Qualitäten des Bestandes? Und sollte man sich das Einpacken nicht hin und wieder auch sparen, um minderwertige Bausubstanz, zumal aus den sechziger und siebziger Jahren, zu ersetzen durch einen Neubau, der technisch den heutigen Ansprüchen gerecht wird und architektonisch auf das Ortsbild Bezug nimmt und es aufwertet?

Die Menschen zieht es heute in die Städte und Dörfer zurück, nicht zuletzt der Annehmlichkeit wegen, die eine gute Infrastruktur bietet. Uneingeschränkte Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum und Zuhause spielt angesichts der demografischen Entwicklung dabei eine besondere Rolle. Auch hier besteht die Gefahr, dass übereilte und inkompetente Eingriffe in die vorhandene Substanz zum Zwecke bequemer Beweglichkeit der gewünschten Aufwertung entgegen wirken.

Beim vorsichtigen Umgang mit der überlieferten Bausubstanz geht es bei weitem nicht nur um den Denkmalschutz. Dieser ist wichtig, weshalb wir dafür erstmals einen Sonderpreis vergeben werden. Aber nur ein verschwindend geringer Teil der Bauten, die den besonderen Charakter und die Lebensqualität unseres Wohnumfeldes ausmachen, ist denkmalgeschützt. Deshalb verdienen gerade diese unauffälligen, architektonisch unspektakulären, aber für die Qualität des öffentlichen Raumes unverzichtbaren und unersetzbaren Häuser unsere besondere Beachtung.

All das lässt uns Ausschau halten nach einer differenzierten Anwendung der heute zur Verfügung stehenden Mittel bei der dringend notwendigen energetischen und generationengerechten Auf-wertung unserer Wohnungen und Häuser. Wir sind auf Ihre Beiträge angewiesen, um zu zeigen, dass mit heutigen Mitteln nicht nur technisch herausragende bauliche Qualitäten erreichbar sind, sondern dass die Ambitionen, denen sich unsere große europäische Stadtbaukultur verdankt, nicht vergessen sind.

Traditionelle Architektur hat sich mit ihrer soliden, großzügigen Bauweise veränderten Nutzungsansprüchen und technischen Neuerungen nie verschlossen. Dabei hat man stets auch für die kommenden Generationen gebaut, erinnerungsfähig, wie man heute sagen würde und auch „recyclefähiger“ als es heute überhaupt denkbar ist, obwohl dabei nie an Abriss gedacht wurde. Man hat einfach für die Ewigkeit gebaut.

Prof. Hans Kollhoff